Infrastruktur

Weltweite Mobilität wird sich grundlegend verändern

28. Mai 2014, 12:44

Vier bedeutende Innovationen können in den nächsten zehn Jahren zu erheblichen Verbesserungen bei Effizienz, Geschwindigkeit und Komfort von Reisen, Transport, Tourismus und Handel führen. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie des Weltwirtschaftsforums in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group (BCG), die heute unter dem Titel Connected World: Hyperconnected Travel and Transportation in Action auf dem Jahresgipfel des Weltverkehrsforums in Leipzig vorgestellt wird.

Im Rahmen des Forumsprojekts „Connected World“ – einer dreijährigen Forschungsinitiative unter Mitwirkung von Verantwortlichen aus mehr als 50 Unternehmen aus den Bereichen Reisen, Transport, Informations- und Kommunikationstechnologie – wurden vier Innovationen untersucht, die weitgehend auf schon existierenden Technologien basieren. Die Resultate zeigen Herausforderungen bei der Umsetzung, aber auch mögliche Betriebsmodelle und Empfehlungen für Steuerungsstrukturen, die sowohl der Wirtschaft als auch der Gesellschaft zugute kommen könnten.

  • ACIS – Ein automatisches Check-in-, Sicherheits-, Grenzkontroll- und Smart-Visa-System, durch das Reisen ins Ausland erleichtert und gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit und Datenschutz gewährleistet wird. Das System nutzt Technologien wie Scanner für die biometrische Personenerkennung oder elektronische Visumsverfahren, um Effizienz und Sicherheit zu erhöhen. Der potenzielle Nutzen des Systems ist offensichtlich. Der Report stützt sich auf Statistiken, nach denen in der Tourismusbranche durch eine Verbesserung der Visaprozesse in den G-20-Staaten innerhalb von vier Jahren Mehreinnahmen von schätzungsweise 40 bis 200 Milliarden US Dollar möglich wären und so bis zu fünf Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Im Bereich der Flughafensicherheit ließen sich die Personalkosten der US Transportation Security Administration in den nächsten fünf Jahren durch eine effizientere Gepäckkontrolle um knapp 500 Millionen US-Dollar reduzieren.

 

  • COMET – Ein Verkehrsmanagementsystem für Megacitys mit Datenerfassung und -analyse in Echtzeit, um Verkehrsströme zu leiten, Staus und Engpässe durch dynamische Mautsysteme und Zugangsbeschränkungen zu minimieren, Kapazitäten der öffentlichen Verkehrsmittel zu steuern und die Parkplatzsituation in Innenstädten zu verbessern. In den Ballungsräumen der Zukunft könnten Güter so effizient und sicher transportiert werden. Laut einer Kosten-Nutzen-Analyse von WEF und BCG würde die Umsetzung eines umfassenden intelligenten Transportsystems in einer Großstadt mit 10 Millionen Einwohnern je nach Technologie und Umfang des Systems Nettobarwerteinsparungen von 2 bis 10 Milliarden US-Dollar ermöglichen.

 

  • IPITA – Ein integriertes, proaktives, intermodales Travel-Assistant-System, um unterschiedliche Reisemittel entsprechend den persönlichen Bedürfnissen mit Hilfe von Echtzeitdaten auszuwählen, zu buchen und miteinander abzustimmen. Bei dem leicht anzuwendenden Tool werden intelligente Geräte oder andere Schnittstellen wie Datenbrillen oder Kontaktlinsen als Displays genutzt. Das System erkennt Veränderungen oder Störungen wie Staus oder Wetterprobleme und schlägt sofort alternative Reisemöglichkeiten oder Strecken vor. Dadurch ließen sich Verspätungen, die für den Einzelnen teuer sein können und in Summe enorme Kosten verursachen, reduzieren. So könnten beispiels-weise bis zum Jahr 2020 in den USA durch Verspätungen und Annullierungen an zwölf großen Flughäfen bis zu 20 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftskraft verloren gehen. Hier setzt IPITA an.

 

  • TATLO – Ein System zur Optimierung von Transparenz und Rückverfolgbarkeit, um Logistik- und Zollprozesse zu rationalisieren. Das System kann bestehende Technologien nutzen, um den Informationsfluss zwischen Unternehmen sowie zwischen Unternehmen und Behörden zu verbessern und so einen reibungsloseren, günstigeren und zuverlässigeren Warenstrom zu ermöglichen. Darüber hinaus könnte dieses umfassende System nicht nur Lagerbestände optimieren, sondern auch Emissionen überwachen und damit die Umweltbelastung durch Produktion und Transport reduzieren. Durch den Abbau von Hindernissen in der globalen Supply-Chain könnte sich – einer in dem Report zitierten Studie zufolge – die weltweite Wirtschaftstätigkeit um fast 5 Prozent und das Gesamthandelsvolumen um 15 Prozent erhöhen.

„All diese Lösungen können sowohl aus wirtschaftlicher als auch gesellschaftlicher Sicht weitreichende Vorteile bieten“, erklärt BCG-Senior-Partner Antonella Mei-Pochtler, eine der Verantwortlichen des Connected-World-Projekts. „Wir haben ihren Effekt nachgewiesen und analysiert. Jetzt müssen wir gemeinsam mit privaten und öffentlichen Stakeholdern an ihrer Umsetzung arbeiten – zunächst in Pilotprojekten und dann an einer flächendeckenden Ausweitung.“

Da die für die Realisierung dieser Innovationen erforderliche Technologie bereits größtenteils existiert, ist eine erfolgreiche Umsetzung davon abhängig, dass institutionelle Hindernisse überwunden und Kooperationen zwischen Unternehmen und dem öffentlichen Sektor geschmiedet werden. Darüber hinaus gilt es weitere Hürden zu nehmen: Unter anderem müssen Prozesse und Systeme implementiert werden, die Vertraulichkeit und Schutz vor Cyber-Attacken sicherstellen. Das WEF ist jedoch überzeugt, dass diese Schwierigkeiten überwunden werden können, wenn Wirtschaft und Politik zusammenarbeiten.

Schwerpunkt im kommenden, letzten Jahr des Connected-World-Projekts wird das Anstoßen eines politischen Dialogs sein, um die wesentlichen Akteure zusammenzubringen und die Umsetzung zu forcieren – dies könnte sich als wichtiger Innovationstreiber erweisen und Effizienz, Komfort und Nachhaltigkeit von Reisen, Transport, Tourismus und Handel bis 2025 deutlich erhöhen.

„In all diesen Lösungen steckt das enorme Potenzial, die Effizienz des innerstädtischen und weltweiten Personen- und Warenverkehrs zu revolutionieren“, sagt BCG-Senior-Partner Nikolaus S. Lang. „Die relevanten Stakeholder müssen sich jetzt an einen Tisch setzen und gemeinsam an der Realisierung arbeiten.“

Das Connected-World-Projekt und die Studie sind Teil der Hyperconnectivity-Initiative des Forums, deren Ziel es ist, aufzuzeigen, wie die zunehmende Verbreitung und das Tempo weltweiter Beziehungen sich auf Themen wie Sicherheit, Cyber-Kriminalität und Datenschutz auswirken. Der Report sowie Videoclips zu den Innovationen und Szenarien stehen auf der Connected-World-Homepage zur Verfügung.

 

 

Quelle: APA, Pressemeldung von dem 21.05.2014

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