wein.mund: Probieren studieren? Ein Blog.

8. Juni 2018, 10:54

#4 Endlich kapiert!

Kennen Sie das? Sie treffen jemanden auf der Straße, von dem Sie genau wissen, dass sie ihn kennen, aber nicht zuordnen können woher. Dann plaudern Sie mit der Person, zeigen sich von der besten Smalltalk-Seite – kommen aber einfach nicht drauf, wo Sie die Person hintun sollen. Blöd nur: Sie können jetzt nicht mehr nachfragen, wie die Person denn überhaupt heißt! Und genau so ist es mir oft schon beim Wein gegangen: Ein besonders lobpriesener Wein wird im Weinkenner-Freundeskreis aufgemacht. „Aaah“ und „ooh“ ist zu hören. Und dann geht die Diskussion los. „Ja, ich steh total auf dieses oxidativ ausgebaute Zeug – richtig geil!“ Lächeln und Winken nun bislang die Devise meinerseits – schmeckt schon, aber was ist jetzt dieses Oxi? Dafür, zuzugeben, dass man es nicht weiß ist es nach dem zehnten Schluck zu spät. Googeln am Tisch wäre zu auffällig, und zuhause hat man längst vergessen, was man eigentlich nachschauen wollte…

Für mich selbst und für alle, die sich vielleicht schon einmal in einer ähnlichen Situation befunden haben halte ich an dieser Stelle meinen aktuellen Wissensstand zum Thema fest. Sie scheint ja doch gar nicht so kompliziert zu sein, die Geschichte mit der Oxidation – danke Walter Kutscher!

Oxidation ist ein Weinfehler – und einfach gesagt das, was mit dem Wein bei der Herstellung passiert, wenn er mit zu viel Sauerstoff in Berührung kommt. Das schaut dann ziemlich grauslich aus: so bräunlich bis orange und womöglich ein paar Flankerl drin, wenn es schon ganz arg ist. Sollte man dann trotzdem noch probieren wollen, erwarten einen Aromen von ranziger Butter oder Champignon in Kombination mit herben Sherry-Noten – puuh! Es sei also lieber vom Kosten abgeraten, kann ich Ihnen sagen…

Dann gibt es aber noch die andere Oxidation – die gute… Bei Fortifieds (das sind aufgespritete Weine – also zum Beispiel Sherry, Madeira oder Port) passiert eine Oxidation bewusst – nussige Geschmacksnoten sind erwünscht. Und auch die kreative Winzerszene spielt sich immer mehr mit diesem Thema und lässt dem Wein bei seiner Herstellung gezielt mehr Luft zukommen. Dass bei dem Ergebnis dann die Meinungen auseinander gehen ist nicht verwunderlich: wo viele – oft traditionelle Weinfreunde – die Nase rümpfen, ist die Jugend dem vermeintlichen „Weinfehler“ gegenüber schon aufgeschlossener…

Ich jedenfalls bin froh, jetzt endlich eine Meinung zum Thema zu haben! Nennen Sie mich konservativ; aber nachdem ich im Weinseminar am WIFI Wien neugieriger Weise einen mutigen Schluck vom echten Fehlerwein (ja, es waren tatsächlich Flankerl drinnen!) genommen habe, werde ich diesen Geschmack wohl nie wieder vergessen – und in Zukunft wohl auch beim bewusst oxidativ ausgebauten Wein lieber passen…

 

GASTWIRT-Redakteurin Elisabeth Waxmund reicht’s! Sie macht Schluss – mit ihrem unerträglichen Halbwissen in puncto Wein. Am WIFI Wien besucht sie darum aktuell die „Ausbildung zum Weinexperten/zur Weinexpertin“ – und bringt ab sofort nie wieder Bowle-Wein auf eine Party mit! Was sie im Kurs so alles erlebt, lernt und ausprobiert erzählt sie im Blog …

www.wifiwien.at/kurs/96122x

 

Alle weiteren Blogbeiträge hier:

#1: Hilfe – ich hab‘ doch keine Ahnung!

#2: Hallo Walter!

#3: Erkenntnisse: Es wird schon…!

#4: Endlich kapiert!

#5: Weinwissen für Klugscheißer

#6: Ab sofort bitte nur noch mit „Frau Weinexpertin“ ansprechen!

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