Exklusiver Heftinhalt

Vorhang auf!

11. Januar 2017, 15:34

14.Februar 2015, Austria Trend Hotel Savoyen Vienna, 8 Uhr 30: Im Festsaal wuseln dutzende Schülerinnen und Schüler der HTLW13 Bergheidengasse herum und treffen die allerletzten Vorbereitungen, vor der Tür warten fünfhundert zahlende Gäste auf Einlass zum legendären „Theaterhotel“. Von Bühnenlegende Otto Tausig 2007 gemeinsam mit Hotelmanagementlehrer Mag. Helmut Kuchernig-Hoffmann und dessen Schülern auf die Beine gestellt, spielte das Charityprojekt bis heute 180.000 Euro ein. Ein ganzes indisches Dorf wurde vom Entwicklungshilfeklub damit bereits monsunfest gemacht. Das Besondere daran: Die Erwachsenen schauen nur zu. Nachwuchs F&B Managerin Sophie Hammel – einundzwanzig Jahre jung – berichtet für den GASTWIRT, wie es ihr und ihren noch jüngeren Kollegen mit der anspruchsvollen Aufgabe ging.
 
Artikel aus dem Magazin 2015/02
 
Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Schultag in der Tourismusschule Bergheidengasse. Ich war mental noch nicht einmal richtig in Wien angekommen, als mir mein Klassenvorstand und späterer Hotelmanagementlehrer Mag. Helmut Kuchernig-Hoffmann von diesem tollen Projekt, dem Theaterhotel erzählt hat. Seine unglaubliche Begeisterung hat mich unmittelbar angesteckt: Unbedingt wollte ich da mitmachen. Vier Jahre war ich Teil dieses Projekts und heuer habe ich mein Ziel erreicht: Ich war im Leitungsteam.
 
Dass das alles unheimlich viel Arbeit bedeutet, wusste ich, trotzdem hätte ich diese Aufgabe um nichts in der Welt eintauschen wollen. So geht es übrigens allen, die einmal dabei waren: Die Möglichkeit, unsere Selbstständigkeit und unseren Arbeitswillen unter Beweis zu stellen, ist so einzigartig, das gibt so viel Kraft und Mut für die Zukunft, das ist unvorstellbar. Darüber hinaus bietet „das Theaterhotel“ die seltene Gelegenheit, mit der eigenen Arbeit Menschen in Indien zu helfen, denen es wesentlich schlechter geht als uns. Auch mal an andere denken, nicht nur an sich selbst, war für mich die wahrscheinlich größte Motivation!
 
267_20150214_cschedl_theaterhotel201515951594344_8b6b83b7ba_k
 

So nervös war ich noch nie

Nun bin ich zwar von Natur aus ein sehr kommunikativer Mensch, aber als es heuer am Valentinstag darum ging, vor fünfhundert Menschen – darunter wichtige Branchenvertreter der Hotellerie und Gastronomie – eine Ansprache zu halten, wurde ich kurz sehr, sehr leise. Ich sollte als Erste auf die Bühne, unsere Gäste willkommen heißen und unsere Künstler ankündigen – keine große Sache eigentlich, aber durch meinen Drang zur Perfektion hat es mich unheimlich viel Überwindung gekostet. Was hätte alles schief gehen können! Ich hatte enorme Angst, mich zu verhaspeln, nicht die richtigen Worte zu finden – einfach blöd dazustehen. Da haben mich die Kollegen plötzlich noch einmal in die Mitte genommen, mir gut zugeredet und mich letztlich fast auf die Bühne geschubst. Und siehe da: Kaum stand ich da oben, war alles nur noch halb so wild! Im Gegenteil – ich hab es richtig genossen, „meinen“ fünfhundert Gästen zu erzählen, was wir für sie vorbereitet hatten.
 
Die Moderation am Vormittag habe ich dann gut, ja sogar sehr gut überstanden. Nervös wurde ich erst wieder am Abend, als plötzlich Stress bei den Umbauarbeiten aufkam – immerhin hatten wir fünfzig Tische umzudecken und dazu nicht einmal vier Stunden Zeit. Wir waren genau zwei Minuten vor Einlass fertig – und ich war fertig mit den Nerven. Jetzt noch einmal auf die Bühne? Prompt hatte ich einen Aussetzer. Als alles vorbei war, kurz vor dem Einschlafen, hatte ich dafür die Erkenntnis meines Lebens: Eine Frau kann sich mit einem charmanten Lächeln aus fast jeder Situation retten! Mir scheint das jedenfalls gelungen zu sein, denn niemand hat meinen kleinen „Hänger“ abfällig kommentiert!
 

Alles gleichzeitig

Ich glaube, es war nach den Weihnachtsferien, als uns allen bewusst wurde: In vier Wochen ist es soweit! In vier Wochen findet „das Theaterhotel“ statt. Plötzlich kam leichte Hektik auf: Haben wir alle Karten verkauft? (Ja, wir hatten – sogar ein paar mehr als geplant!) Haben wir alle Mitarbeiter richtig und sinnvoll eingeteilt? Wie sieht es aus mit der Anzahl der Tombola Preise? In ein paar Last-Minute-Meetings haben wir alle diese Fragen noch rasch geklärt. Meine Aufgabe war es, die Direktion des ATH Savoyen per e-mail auf dem Laufenden zu halten. Ich bin sehr froh und auch ein wenig stolz, dass mir in dieser Hinsicht so viel Vertrauen zuteil wurde – diese Verantwortung war doch recht groß. Es ist mir auch wirklich der eine oder andere Fehler passiert, aber – ganz ehrlich – jetzt im Nachhinein bin ich über jede dieser kleinen Pannen froh – sie haben mich nicht den Kopf gekostet, aber sie haben mich gelehrt, in Zukunft wachsamer zu sein und manche Dinge konsequenter zu hinterfragen.
 

Das F&B Dream Team

Das F&B Team war dieses Jahr nicht nur ein Team, wir waren ein Dream-Team! Meine Kollegin Anna Kupferschmid und ich haben uns tatsächlich perfekt ergänzt und uns gegenseitig unterstützt, wo es nur ging. Unsere Arbeit ging im Oktober los, da haben wir das erste Mal alle Lieferanten durchtelefoniert. Zunächst lief alles super – bis kurz vor der Veranstaltung. Unbemerkt waren unsere Bemühungen ins Stocken geraten und plötzlich: Woher bekommen wir Wasser? Wer liefert uns das Hühnerfleisch? Wer hat Karkassen? Letztlich konnten wir alles klären und die Tage vor der Veranstaltung verbrachten wir entweder in der Schule oder im Hotel – mit Warenannahme. Diese paar Tage waren nervlich ein Drama. Was, wenn Ware nicht geliefert würde und das Küchenteam wegen uns nicht anfangen könnte zu kochen? Meine Nerven lagen blank und prompt passierte mir ein fataler Fehler: Während ich gerade eine Lieferung verräumte, kam ein Anruf von einem anderen Lieferanten. Ich war abgelenkt, verstand ihn falsch und bestellte ihn für Donnerstag ins Hotel. Katastrophe! Die Küche brauchte genau diese Ware schon am nächsten Tag …
 
Wie immer haben wir das Problem im Team gelöst, einem Dream-Team, sag ich ja. Danke, Leute! Auch das Leitungsteam, wie ich alle aus der Maturaklasse, war heuer großartig – einige meiner Kollegen möchte ich Ihnen gerne vorstellen:
 

Simon Schedl, 19 –
beim Theaterhotel 2015 Bankettleiter

Ein Team zu leiten, war für mich in beruflicher Hinsicht schon lange ein Traum. Dass dieser Traum schon jetzt mit 19 Jahren und einem Team von über hundert Mitarbeitern in der eigenen Verantwortung in Erfüllung geht, hätte ich nie erwartet.
 
Im Theaterhotel habe ich das Bankettservice geleitet und die Mitarbeiter im Service koordiniert. Die besondere Herausforderung war dabei das sehr große und sehr heterogene Team. Viele kannten einander gar nicht näher – man geht zwar in die gleiche Schule, sieht sich gelegentlich, aber das war’s dann schon. Die meisten waren auch am Tag der Veranstaltung das erste Mal im Hotel Savoyen. Beides macht die Koordination zu einer besonderen Herausforderung – fachlich, wie menschlich.
 
Alle unsere Mitarbeiter arbeiten auf freiwilliger Basis und der Altersdurchschnitt liegt unter siebzehn Jahren. In einigen Situationen hab ich Führungsqualitäten gebraucht, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Als zum Beispiel deutlich wurde, wie knapp drei Stunden Zeit tatsächlich sind, um einen Bankettsaal für ein Galadinner mit fünfhundertfünfzig Gästen umzubauen. Ein Großteil meiner Kollegen hatte zu diesem Zeitpunkt schon sieben Stunden Arbeit in den Beinen. Das war für die meisten ganz ungewohnt und die anfängliche Euphorie weitgehend verflogen. Wie sollte ich diese siebzig (!) jungen Leute motivieren? Würde ich es schaffen, sie so einzuteilen, zu koordinieren und anzuspornen, dass wir drei Stunden später unsere Türen zum zweiten Mal an diesem Tag öffnen konnten? Ich habe es geschafft – wir haben es geschafft, und das war eine der Herausforderungen an diesem Tag, an der ich mit Sicherheit am meisten gewachsen bin. Trotzdem blieb die erwartete Nervosität aus – vielleicht hatte ich aber auch gar keine Zeit dazu, nervös zu sein. Das Theaterhotel und die Verantwortung, die ich darin übernommen habe, hat in mir vor allem eines bewirkt: Die Freude darauf, endlich mit einer Karriere in der Hotellerie durchzustarten, hat sich quasi ins Unendliche gesteigert! Wann geht es endlich los?
 

Anna Kupferschmid, 19 – Teamleitung F&B

Erfolg benötigt zwei „Ja“: Ein „Ja“ zum Anfangen und das zweite „Ja“ zum Durchhalten (Olaf Hartke – Unternehmenscoach)
 
Besser könnte man das Theaterhotel, meinen Part und mein Gefühlschaos dabei nicht beschreiben. Kaum waren wir hochmotiviert gestartet, gab es auch schon die ersten Probleme: Der Zeitplan, den wir vorab mühsam erstellt hatten, hielt nicht einmal einen Monat, dann waren wir heillos hinten nach. Trotzdem waren Sophie und ich im Dezember wieder perfekt in der Zeit – es kam uns wie ein kleines Wunder vor! Schließlich hatten wir Sponsoren gefunden, die uns Gebäck, Wein und sogar Huhn lieferten – das hatte uns lang Kopfzerbrechen bereitet. Offen war nur noch das Mineralwasser, und das sorgte bei mir nun zur Abwechslung für schlaflose Nächte. „Tut uns leid, wir unterstützen momentan nur Fashion- und Lifestyleevents“ hatte mir ein langjähriger Sponsor lapidar mitgeteilt.
 
Prompt wurde daraus ein Running-Gag: „Die Leute in Indien haben kein Wasser, also unsere Gäste auch nicht – das macht uns authentisch!“ Aus der Patsche halfen uns letztlich Teamwork, viele lange Telefongespräche und ein bisschen „Vitamin B“ – dann war unser alter Freund wieder im Boot – und ich war glücklich. Allerdings nicht lange. Als wir nämlich zwei Tage vor der Veranstaltung die Liefertermine checkten – war kein Wasser dabei…. Oh mein Gott. Irgendwie war im Laufe einer langen e-mail Korrespondenz nie ein genaues Datum vereinbart worden. Ich griff zum Telefon – noch war es ja nicht zu spät – aber keine Chance: „Wir brauchen drei Tage Vorlauf, tut mir leid.“ Ich war im Schock und scheinbar hab ich die Dame am anderen Ende der Leitung so herzzerreißend um ihre Hilfe angefleht, dass sie das scheinbar Unmögliche möglich machte: Unser Wasser wurde rechtzeitig geliefert. Dass die Gäste dann wirklich beherzt zugegriffen haben, hat mich nach all den Unbilden natürlich besonders gefreut. An dieser Stelle: „Danke an alle unsere Sponsoren!“
 

Andreas Köhazy, 18–
der saxophonspielende Küchenchef

Das Theaterhotel Küchenteam ist ein unglaublich eingespieltes Team. Wir leiten jedes Jahr an unserem Tag der offenen Tür das Schulbistro, also haben wir den Ablauf schon mehrmals proben können. Und für mich war immer klar, dass wir auch am Veranstaltungstag in der Küche nichts werden anbrennen lassen.
 
Eine Veranstaltung mit über fünfhundert Gästen ist eine Herausforderung der ganz besonderen Art. Das Kochen war für mich nie das Thema, aber wie ich hundert Mitarbeiter managen würde – das hat mir Kopfzerbrechen bereitet. Würde ich die Balance finden zwischen Respektsperson und Kollege und würde es mir gleichzeitig gelingen, den strengen Zeitplan einzuhalten? Das genau sind die Schwierigkeiten und in diesen Punkten habe ich heuer eine Menge gelernt.
 
Wir sind froh, dass das Theaterhotel 2015 so ein Erfolg geworden ist. Wir haben im Vorhinein mit allen möglichen Problemen gerechnet und diverse „workarounds“ und Katastrophenszenarien entwickelt, aber im Endeffekt hat alles einwandfrei ohne großartige Zwischenfälle funktioniert. Ich freu mich jetzt schon langsam auf das „wirkliche Leben“ und kann es kaum erwarten, meine hier erworbenen neuen Fähigkeiten im echten Küchenalltag unter Beweis zu stellen!
 
Andreas Köhazy hat übrigens „ganz nebenbei“ noch bei der Matinee des Theaterhotels mit seinen „Crazy Worriers“ aufgespielt. „Sax-sound vom Feinsten und ein weiteres schönes Beispiel, was im Theaterhotel alles möglich wird“ – freut sich Mastermind Helmut Kuchernig.
Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Chance. Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance. (Albert Camus)

Mitmachen und Begeisterung erleben!

Wenn Sie das Theaterhotel unterstützen wollen, die nächste Veranstaltung wird am 13. Februar 2016, am Geburtstag Otto Tausigs, stattfinden. Auf der Bühne des Austria Trend Hotel Savoyen werden wieder die Stars der österreichischen Kulturszene stehen – 2014 nahmen Cornelius Obonya, Adi Hirschal, Pippo Pollina und etliche mehr das Mikro in die Hand!
 
Die Vorbereitungen für dTH starten wie immer im Herbst, gesucht werden Sponsoren, Unterstützer und Spenden, Spenden, Spenden!
 
Oder sind Sie auf der Suche nach engagierten Mitarbeitern? Man kann es ja nicht wissen, aber vielleicht wartet einer der engagierten jungen Damen und Herren der HLTW13, Bergheidengasse ja genau auf Ihr Angebot?
Weitere Informationen und alle Termine zum dTH unter
www.dastheaterhotel.at
 
Bild: (c) Schedl/Theaterhotel 2015

[zum Magazin]

Von Chef zu Chef

Von Chef zu Chef im UKH Meidling

Dietmar Berger im Gespräch mit Helmut Urban, dem Küchenchef und Manager der Zentralküche im UKH-Meidling.  [ weiterlesen ]

VERLEIHUNG

Verleihung des Berufstitels „Kommerzialrat“ an Christof Kastner

Innovationen sind der natürliche Motor des Biermarktes und werden in der Brau Union Österreich strategisch gesteuert. Viele der Getränkeneuheiten wurden bereits ausgezeichnet. Um am dynamischen Biermarkt bestehen und der schnelllebigen Marktentwicklung Rechnung tragen zu können, ist es wichtig, rasch  [ weiterlesen ]

WEITERBILDUNG

Von der Küchenhilfe zum Koch in 15 Monaten

Innovationen sind der natürliche Motor des Biermarktes und werden in der Brau Union Österreich strategisch gesteuert. Viele der Getränkeneuheiten wurden bereits ausgezeichnet. Um am dynamischen Biermarkt bestehen und der schnelllebigen Marktentwicklung Rechnung tragen zu können, ist es wichtig, rasch  [ weiterlesen ]

BIER

Ausgezeichnete Innovationen – der Motor der Brau Union Österreich

Innovationen sind der natürliche Motor des Biermarktes und werden in der Brau Union Österreich strategisch gesteuert. Viele der Getränkeneuheiten wurden bereits ausgezeichnet. Um am dynamischen Biermarkt bestehen und der schnelllebigen Marktentwicklung Rechnung tragen zu können, ist es wichtig, rasch  [ weiterlesen ]

Eis

Neue Eiskreationen aus dem Hause Carte D’Or

Eskimo lässt die Herzen der Eisliebhaber zur Herbst/Winter-Saison höher schlagen. Denn Carte D ́Or überrascht mit zwei originellen Sorten: Carte D ́Or Pekannuss (2,4 L) und Carte D ́Or Crème Brûlée (2,4 L). Dank karamelliger Süße und knackiger Zutaten sind  [ weiterlesen ]

Wettbewerb

Mix it like a woman: Wettbewerb für Mixologinnen

Puchheimer ruft zur Barkeeperinnen-Challenge 2018 auf Attnang-Puchheim – Zum allerersten Mal veranstaltet der heimische Spirituosenexperte Spitz heuer die Puchheimer Barkeeperinnen-Challenge. Unter dem Motto „Mix it like a woman“ werden dabei weibliche Mixologinnen aus ganz Österreich vor den Vorhang geholt.  [ weiterlesen ]