Supervision

Management

Supervision per Internet kommt langsam

31. Januar 2018, 14:27

Umfrage unter Supervisoren in Österreich

Supervision, die Beratung bei Problemen am Arbeitsplatz, erfolgt manchmal bereits online. Das ermittelte eine Umfrage unter Supervisoren in Österreich. Die klassische Besprechung bleibt weiterhin unverzichtbar, doch ein knappes Fünftel der Supervisoren berät Klienten zusätzlich auch über das Internet. Online-Supervision hält damit – langsam – ihren Einzug.

 

Für mehr als 80 Prozent der Supervisoren läuft eine Sitzung mit Klienten so ab wie vor zwanzig Jahren: Man setzt sich mit den Mitarbeitern, die man unterstützen soll, persönlich zusammen, entweder einzeln oder mit einer Gruppe, und spricht über die beruflichen Schwierigkeiten.

Beinahe ein Fünftel verwendet jedoch bereits das Internet für die Beratung von Klienten. Diese Supervisoren nutzen meistens irgendeine Art von Videokonferenz, beispielsweise Skype, oder sie beraten in einem Telefongespräch. Im Vordergrund steht also weiterhin das Sprechen, die Besprechung. Manchmal erfolgt die Beratung zwar auch schriftlich, etwa über einen Chat oder über E-Mail, das ist allerdings deutlich seltener der Fall. Diese Einblicke lieferte eine Umfrage unter Mitgliedern der Österreichischen Vereinigung für Supervision und Coaching ÖVS, durchgeführt von der Universität Salzburg.

„Wir sehen diese Entwicklung ganz neutral“, erklärt Wolfgang Knopf, Geschäftsführer der ÖVS. „Die Digitalisierung nimmt zu, also setzt auch die Supervision auf neue Medien. Online-Beratung bietet durchaus eine Menge Chancen. Man muss nur vermeiden, den allgemeinen Trend zur Beschleunigung durch Online-Betreuung noch weiter anzutreiben. Beratung erfordert das Gegenteil, eine Entschleunigung, eine Nachdenkpause.“

 

Digitalisierung fördert Online-Beratung

Knopf nennt jedoch eine wesentliche Einschränkung: „Online-Supervision funktioniert nur für Einzelgespräche befriedigend, nicht für Besprechungen mit einem Team. Das legt nahe, das Internet am besten zusätzlich zum persönlichen Gespräch zu nutzen. Die goldene Mitte liegt offenbar in der Mischung beider Formate, der sogenannten Blended Supervision.“

Die Salzburger Studie untermauert diese Einschätzung. Laut der Umfrage kommt Online-Betreuung in Österreich nie als die einzige Beratungsform zum Einsatz, sondern immer nur ergänzend zu klassischen Besprechungen. Und Gruppenarbeit per Internet findet tatsächlich nur ganz vereinzelt statt.

Dass die heimischen Supervisoren nicht öfter zu Online-Mitteln greifen, liegt weniger an ihnen selbst als an den Kunden: Die Nachfrage ist bisher gering. Lediglich 12 Prozent der Befragten erhalten manchmal Anfragen nach Online-Supervision, fast zwei Drittel jedoch niemals. Zugleich glaubt auch nur ein Viertel der Supervisoren, durch Online-Angebote mehr Aufträge zu bekommen.

„Das könnte sich mit der zunehmenden Digitalisierung ändern“, vermutet Knopf. „Wenn Arbeit und Zusammenarbeit immer stärker über den Computer ablaufen, wird vielleicht auch die Beratung zur Arbeit über den Computer erfolgen.“

Bisher wirkt sich die Digitalisierung in Österreich allerdings erst langsam aus. Die Supervisoren beobachten lediglich bei 36 Prozent ihrer Klienten, dass sie stark oder sehr stark von der digitalen Entwicklung betroffen sind.

Obwohl nur knapp ein Fünftel der Supervisoren tatsächlich online arbeitet, hält es die Mehrheit eigentlich für günstig, klassische Sitzungen und Internet zu kombinieren: 45 Prozent sehen in „Blended Supervision“ eine Möglichkeit, die Vorzüge beider Wege zu verbinden. Technikscheu sind die Experten der Arbeitswelt nicht.

 

Über die ÖVS

Die Österreichische Vereinigung für Supervision und Coaching ÖVS ist ein Berufsverband, dem mehr als 1.300 qualifizierte Supervisorinnen und Supervisoren angehören. Supervision/Coaching ist eine professionelle Beratungs- und Unterstützungs¬methode bei beruflichen Herausforderungen und Problemen, für Einzel¬personen, Teams und Organisationen. Die ÖVS hat ihren Sitz in Wien und verfügt über Vertretungen in allen Bundesländern. Die Vereinigung wurde 1994 gegründet, um die Qualität von Supervision/Coaching in Österreich zu sichern und anerkannte Qualitätskriterien einzuführen. Mitglieder müssen eine ÖVS-zertifizierte Ausbildung nachweisen und ihr Können alle drei Jahre belegen.

 

Fotocredit: ÖVS/Hetzmannseder
Quelle: Pressemeldung ÖVS vom 30.01.2018

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