Living Leadership

Management

Kommt der Taylorismus im neuen Gewand?

23. November 2017, 13:15

Und wer braucht noch Stellenbeschreibungen?

 

Hernstein Management Report Nr. 5/2017

 

Die heuer 5. Ausgabe des Hernstein Management Reports 2017 erhob unter Führungskräften in Österreich und Deutschland, ob sie eine Entwicklung hin zum Taylorismus 2.0 in ihrem Unternehmen beobachten. Die Ergebnisse sind ambivalent. Vor allem große und innovationsfreudige Unternehmen sowie spezielle Branchen nützen viele der neuen elektronischen Hilfsmittel. Bei neuen Technologien wie Gesundheits-Apps oder Messaging-Plattformen ist zwar Überwachung und Kontrolle kein deklariertes Ziel, aber immerhin möglich. Der zweite Schwerpunkt des Reports liegt auf den Stellenbeschreibungen: Immerhin 21% der befragten Führungskräfte haben keine genaue Stellenbeschreibung. Bei weiteren 14% ist sie nur sehr rudimentär vorhanden. Dennoch: Knapp zwei Drittel der Befragten halten eine dezidierte, schriftlich definierte Stellenbeschreibung für wichtig.

„Die Entwicklung in Richtung ‚gläserner Mensch‘ ist ein bedenklicher Trend, der sich in allen Bereichen abzeichnet. Für Führungskräfte stellt sich dennoch die Frage, ob und wie weit die Kontrolle gehen soll bzw. darf. Vertrauen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestärkt sie in ihrem Tun. Das Delegieren von Verantwortung führt zu mündigen und verantwortungsbewussten Mitarbeitenden. Ganz im Gegensatz zu dem Sprichwort ‚Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser‘!“, erläutert Mag. (FH) Michaela Kreitmayer, Leiterin Hernstein Institut. Zum Thema der Stellenbeschreibungen ergänzt sie: „Stellenbeschreibungen haben durchaus ihre Berechtigung und ihren Mehrwert. Klar definierte Zuständigkeitsbereiche schaffen Transparenz und stärken das Verantwortungsbewusstsein. Folglich wird die Produktivität gestärkt und der Kontrollbedarf reduziert.“

Durch die Digitalisierung der Arbeit und den aktuellen technologischen Entwicklungen entstehen neue Möglichkeiten der Kontrolle. Smartphones und Tablets mit GEO-Lokalisierung, Gamification, Gesundheits-Apps oder Wearables bieten vielfältige Gelegenheiten, Daten zu sammeln. Macht Gelegenheit Diebe? Führungskräfte, die vor einem Bildschirm sitzen und in Echtzeit biometrische Daten über Pulsschlag und Schlafqualität ihrer Mitarbeitenden beobachten – ist das ein Szenario der Zukunft? In offenen Kommentaren äußern sich die Befragten ambivalent zum Thema: „Bei uns herrscht noch Vertrauen in die Mitarbeitenden“, „Das wäre ja der absolute Überwachungsstaat“, aber auch: „Alles was der Gesetzgeber zulässt, wird genutzt!!!“, „Offiziell gibt es keiner zu, aber es erfolgt umfangreiche Überwachung“.

Taylorismus 2.0: Vertrauen ist gut. Ist Kontrolle besser?

Welche Unternehmen sind offen für die neuen Technologien? Grundsätzlich gilt: Je größer und innovationsfreudiger das Unternehmen, umso wahrscheinlicher setzen sie die neuen Hilfsmittel ein. Vor allem in Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche, aber auch des Finanz-, Banken- und Versicherungswesens ist ihr Einsatz doppelt so hoch als in anderen Branchen. 40% der befragten Führungskräfte sagen, dass es in ihrem Unternehmen umfangreiche Arbeitszeitkontrollen gibt. Als zweithäufigstes Instrument werden interne Instant Messaging Plattformen genannt (18%), ex aequo mit Smartphones und Tablets mit eingestellter Geo-Lokalisierung. 8% der Befragten geben an, dass interne Social-Media-Kanäle umfangreich genützt werden: Likes bzw. Dislikes von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu bestimmten Themen sind für alle sichtbar. Ebenfalls 8% nützen interne Plattformen, die auf Prinzipien der Gamification aufbauen. 11% der Unternehmen haben offizielles GPS Tracking der Firmenfahrzeuge bzw. des Fuhrparks in umfangreichem Ausmaß. Wer sich kontrollieren lässt, wird belohnt: 9% der Führungskräfte geben an, dass in ihrem Unternehmen Mitarbeitende Wearables (Fitbits, Fitness-Tracker etc.) erhalten. Daten wie Herzfrequenz, Bewegungsverhalten etc. werden aufgezeichnet. Gegebenenfalls wird positives Bewegungsverhalten belohnt.

Brauchen Führungskräfte eine Stellenbeschreibung?

Manche haben sie, manche nicht. Dennoch: Stellenbeschreibungen für Führungskräfte machen aus vielen Gründen Sinn. Sie geben Auskunft über Aufgaben und Verantwortung im Unternehmen. Eine Job Description regelt die Handlungs- und Entscheidungsspielräume und die Vertretung bei Abwesenheit. Das hilft, Kompetenzkonflikte zu vermeiden und sorgt bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Sicherheit. Immerhin knapp zwei Drittel der befragten Führungskräfte halten eine dezidierte, schriftlich definierte Stellenbeschreibung für wichtig. 24% sind ambivalent und 9% der Befragten halten eine genaue Stellenbeschreibung für eine Führungsposition für (eher unwichtig. „Das weiß man halt“ meinen knapp 40% der Befragten, die eine Stellenbeschreibung für unwichtig halten. Immerhin 35% sagen, dass eine Stellenbeschreibung nur in wenigen Einzelpunkten oder gar nicht vorliegt. Damit bleibt ein einfaches und wirksames Instrument der Personalführung und Organisation ungenutzt. Erfreulich: die Mehrheit von 59% meint, dass ihre Stellenbeschreibung in unregelmäßigen Abständen aktualisiert wird, in 22% der Unternehmen sogar jährlich. Nur bei 20% wird sie laut Angabe der Befragten nie aktualisiert.

Über die Studie

Der Hernstein Management Report erhebt seit 19 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern in Österreich und Deutschland. Aktuelle Führungsthemen und Trends in der Führungskräfteentwicklung stehen im Fokus.

 

Die wichtigsten Eckdaten der Umfrage

Befragungszeitraum: März 2017, befragte Personen: 1.585 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 685 in Österreich und 900 in Deutschland, Befragungsart: Online-Befragung, durchgeführt von vieconsult GmbH.
 
Den vollständigen Report sowie ausgewählte Infografiken finden Sie unter www.hernstein.at/newsroom/management-insights/

 

Fotocredit: colourbox.de
Quelle: Pressemeldung Hernstein Institut für Management und Leadership vom 20.11.2017

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