Kollektivvertragsverhandlungen in der Papierindustrie

Holzwirtschaft

Kollektivvertragsverhandlungen in der Papierindustrie

8. Mai 2014, 9:56

Bei den diesjährigen Kollektivvertragsverhandlungen in der Papierindustrie setzen die Arbeitgebervertreter auf eine Erhöhung der Löhne und Gehälter in Höhe der Inflationsrate und damit auf eine Erhaltung der Kaufkraft der Beschäftigten. Die Papierindustrie liegt bei Löhnen und Gehältern bereits jetzt im Spitzenfeld der österreichischen Industrie, mit zahlreichen Zusatzleistungen für ihre Beschäftigten. Das Angebot ist daher ausgesprochen fair; ein höherer Tarifabschluss ist in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation der Papierindustrie nicht zu verantworten, erklärt die Austropapier, Branchenvertretung der österreichischen Papierindustrie.

 

Aktueller Status der Papierindustrie: Industrie mit höchster durchschnittlicher Bezahlung und vergleichsweise niedrigen Arbeitszeiten

In den letzten Jahren sind Löhne und Gehälter in der Papierindustrie überdurchschnittlich gestiegen: Mit einem Durchschnittslohn von rund € 2.400 und einem Durchschnittsgehalt von über € 4.000 – ohne Zulagen und Zuschläge – liegt die Papierindustrie unter 17 Industriebranchen an dritter Stelle bei Arbeitern und an vierter bei Angestellten. Im Vergleich: Damit zahlt die Papierindustrie ihren Arbeitern um rund vier Prozent mehr als die chemische oder die Eisen-Metall-Industrie.

Bei der Arbeitszeit hingegen rangiert die Papierbranche deutlich unter dem Industrievergleich: Für fast 4.000 Beschäftigte, also die Hälfte aller Beschäftigten, gilt eine Normalarbeitszeit von 36 Wochenstunden, für alle anderen 38 Stunden. In den meisten anderen Industriesegmenten gelten hingegen 38 bzw. 38,5 Stunden.

 

Zahlreiche Zusatzleistungen

Überdies heben eine Reihe von Zusatzleistungen die Papierbranche deutlich von anderen Industriebereichen ab: So hat mehr als ein Drittel der Mitarbeiter nach dem Nachtschwerarbeitsgesetz Anspruch auf bis zu sechs zusätzliche Urlaubstage; mit einer Pensionsberechtigung ab dem 57. Lebensjahr. Eine derartige Regelung gibt es in keinem anderen Industrieland; sie verursacht jährliche Kosten von rund vier Millionen Euro (3,7 % pro Mitarbeiter und Monat). Auch beim Urlaubsanspruch liegt die Papierindustrie voran: Schichtarbeiter, also rund die Hälfte aller Beschäftigten, haben einen um bis zu fünf Tage höheren Urlaubsanspruch.

Mehrleistungen gibt es auch in anderen Bereichen: So ist die Papierindustrie die einzige Industriebranche mit einer kollektivvertraglichen Pensionskassenregelung; diese belastet die Unternehmen zusätzlich mit monatlich 2,2 % pro Beschäftigtem. Die Zuschläge bei Feiertagsarbeit (plus 200%) und Sonntagsarbeit (plus 100%) sind deutlich höher als gesetzlich vorgesehen. Bereitschaftsdienst wird bei rund 10% aller Beschäftigten mit bis zur Hälfte des Grundgehaltes abgegolten, obwohl in dieser Zeit keine Arbeitsleistung erbracht wird und durch die modernen Kommunikationsmittel kaum Einschränkungen bei der Freizeitgestaltung bestehen. Jeder Beschäftigte hat darüber hinaus Anspruch auf eine Woche Bildungsfreistellung pro Jahr, bei Fortzahlung der Bezüge. Auch die Jubiläumszahlungen liegen über dem Industrieschnitt.

 

Internationale Wettbewerbsfähigkeit darf nicht gefährdet werden

Speziell bei den Personalkosten hat Österreich in den vergangenen Jahren massiv an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen europäischen Standorten eingebüßt. So liegt z.B. die deutsche Papierindustrie mittlerweile bei den Personalkosten hinter Österreich. Als drittgrößter Kostenblock in der Papierindustrie, löst ein weiterer Anstieg der Personalkosten – bei gleichzeitigem Ausbleiben eines Umsatz- bzw. Gewinnwachstums in der Branche – eine gefährliche Kostenschere aus, erklärt Austropapier die Ausgangssituation der Branche. Generell leidet die Papierindustrie in Österreich unter hohem Kostendruck – bei Energieund Rohstoffkosten ebenso wie bei den Personalkosten. Die Branchenentwicklung hingegen zeigt im Jahr 2013 bei allen wichtigen Kennzahlen rückläufiges Wachstum: Die Produktion bilanziert mit minus 3,3%, der Export mit minus 3,8% und der Umsatz mit minus 3,2%. Die Hersteller von graphischen Papieren sind hier besonders betroffen. Die negativen Auswirkungen sind bereits spürbar: Brancheninvestitionen in Österreich sinken seit Jahren kontinuierlich; Wertminderungen werden durch Investitionen nicht mehr kompensiert. So lautet daher der nachdrückliche Appell von Austropapier an die Gesprächspartner im Vorfeld der diesjährigen Kollektivvertragsverhandlungen: Eine Erhöhung von Löhnen und Gehältern über der Inflationsrate ist derzeit aus wirtschaftlicher Sicht nicht zu verantworten und würde nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit der Branche, die Standortsicherheit und damit die Sicherheit der aktuellen Zahl der Arbeitsplätze in der österreichischen Papierindustrie gefährden.

 

 

Quelle: Fachverband der Papierindustrie, Bildquelle: colourbox, Pressemeldung von dem 25.04.2014

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