Natur

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Hol die Natur ins Zimmer!

9. August 2017, 11:32

Moos kriecht die Wände im Spa hinauf; Steinbrocken liegen im Barbereich herum; ein Baum streckt seine Äste auf der Toilette aus. Was einem im ersten Moment Bilder von der verlassenen Gegend rund um Tschernobyl durch den Kopf jagt, ist alles andere als die ungewollte Rückeroberung von Raum durch die Natur. Denn sowohl in der Gastronomie als auch im Hotel hält sie nun immer öfter Einzug – geplant und erwünscht, versteht sich. Und überdies äußerst attraktiv …

 

Text: Elisabeth Waxmund

 

Es hupt, es lärmt, es dampft, es stinkt – gerade in den Sommermonaten ist das Leben in der Stadt ein lautes. Der Mensch will hinaus, fährt aufs Land, macht Urlaub – und möchte vor allem die Natur erleben. Ganz genau diese Sehnsucht nach dem Ursprünglichen greifen derzeit viele Hotels auf und versuchen durch die Ausgestaltung der Räume mit natürlichen Materialien und nachhaltiger Innenarchitektur dem Gast Balance und Kraft für seinen Alltag zurückzugeben.

 

Vor zwei Jahren eröffnete zum Beispiel der Walser Hotelier Georg Gerl nach einer einjährigen Umbauphase im Hotel sein exklusives „Private Spa“. Ein Rückzugsort besonders für Businessgäste, die nach einem langen Arbeitstag der Hektik entfliehen und richtig durchatmen wollen. So weit, so Standard – nur ist Georg Gerl einen kleinen, aber entscheidenden Schritt weitergegangen: Seine geheime Wellnessoase ist ausschließlich mit Naturmaterialien ausgestattet, wobei die Strukturen und Formen so ursprünglich wie möglich belassen wurden: Blickfang beim Eintreten ist ein riesiger Baumstamm, der sich bei näherem Hinsehen als gemütliche Teebar offenbart – ein wunderbarer Platz, um anzukommen. Ein paar Schritte weiter wartet das nächste ungewöhnliche optische und haptische Erlebnis: Moosverkleidete Wände umrahmen eine im Boden versunkene Steinbadewanne. Flauschig und dicht lädt das Moos zum Träumen ein. „In unserem Private Spa wandert der Gast durch eine der Natur nachempfundene kleine Landschaft, die alle seine Sinne ansprechen und aktivieren soll – das saftige Moos erfrischt das Auge, ätherische Öle und natürliche Tees sowie Früchte sprechen Geschmacks- und Geruchssinn an, die Vollholzliegen haben wir so ausgesucht, dass man darauf regelrecht entschweben kann. Sogar das Massageprogramm und die Temperatur sind auf dieses ganzheitliche Indoor-Natur-Erleben abgestimmt“, ist Gerl stolz auf sein außergewöhnliches Wellness-Kleinod.

 

Nach Hause kommen – in die Natur

Ebenfalls ganz im Einklang mit der Natur gestaltet ist das traditionelle Landgasthaus Rabl am Rabesberg im oberösterreichischen Gschwandt. Da die Geschichte des Gasthofs ins 16te Jahrhundert zurückgeht, waren hier – anders als beim Hotel Gerl – Naturmaterialien immer schon ein zentrales Gestaltungselement. „Damals hat man mit Holz und Stein gebaut – wir wollten diese Bodenständigkeit und Ehrlichkeit, die unser Interieur immer schon vermittelt hat, bewahren und mit einem zeitgemäßen Touch versehen!“, so Erika Bergthaler, die den Gasthof gemeinsam mit ihrem Mann Peter betreibt. Holz beziehungsweise der Baum sind für sie an und für sich ein Sinnbild für Tradition, das es bei der Neugestaltung letztes Jahr neu zu interpretieren galt. Tatkräftig unterstützt wurde das Hoteliersehepaar dabei von der Wögerer GmbH, die auf die Planung und Einrichtung für Gastronomie und Hotellerie spezialisiert ist. Gemeinsam entwickelte man ein Gesamtkonzept für das geschichtsträchtige Haus – als zentrales Element wählte man beständiges Eichenholz, dessen spezielles Flair durch eine Palette erdiger Farbtöne unterstrichen wird. Besondere Gemütlichkeit strahlen die Fliesen des historischen Kachelofens aus. „Wir sind ausgesprochen glücklich damit, wie es jetzt ist und bis jetzt gab es ausschließlich positive Rückmeldungen von unseren Gästen!“, strahlen die sympathischen Wirtsleute und freuen sich über ein stets ausgefülltes Reservierungsbuch.

 

Auch das Vier-Stern-S Haus „The Crystal Lifestyle Hotel“ in Obergurgl im Ötztal erkannte den Trend, sich seinen Gästen möglichst naturnahe zu präsentieren – und trat mit diesem Wunsch an den Abtenauer Hotelausstatter Voglauer hotel concept heran. Das Spannende: Man wollte die Schönheit der umgebenden Architektur mittels moderner Architektur und entsprechender Innenausstattung für den Gast zum Erlebnis machen. Eine unmögliche Aufgabe?

 

„Die kristalline Klarheit in unserem Design und die kubische Geradlinigkeit erinnern nun an stille, verschneite Berggipfel. Ein Motiv, dass wir hier auch durch die großflächigen Fensterfronten aufgegriffen haben, die einen Blick auf die herrliche Bergwelt der Ötztaler Alpen frei geben“, erklärt das Designerteam von Voglauer das umgesetzte Hotelkonzept. Doch: Bergwelten alleine, so war man sich bei Voglauer sicher, würden schnell eine „optische Kälte“ entstehen lassen. Also brauchte es naturbelassene Holzoberflächen, um die notwendige Heimeligkeit zu erzeugen. „So sind die kargen, eisigen Berge zum heimeligen Wohlfühlort geworden!“

 

Nachhaltig mit „Bling-Bling“?

Von keinem Gast unbemerkt bleibt in Obergurgl außerdem das Motto des Hotels „Diamanten der Alpen“, das sich im ganzen Haus wiederfindet: etwa in den Kristallvorhängen im Barbereich, Stoffen mit Schimmereffekt und Kristallelementen – etwa bei den Lampen – auf den Zimmern. „Diamanten sind ein schönes Beispiel für die Wunder, die unsere Natur hervorbringt“, ist man bei Voglauer sicher. Wie wichtig die Natur den Betreibern des Lifestyle Hotels ist, beweist aber nicht nur der Versuch, diese im Haus widerzuspiegeln. Kürzlich erst wurde das Hotel auch mit dem Umweltpreis Tirol und dem Green Award von Johansens Condé Nast in London ausgezeichnet. Als europaweit erstes Hotel auf über zweitausend Meter setzt man hier nämlich auf erneuerbare Energien – und damit ein Zeichen für Nachhaltigkeit!

 

Holz fürs Herz

Diese ist auch Matthias Stölzle ein großes Anliegen – „wir müssen weg vom Kunststoff, mehr auf die Materialien setzen, die uns die Natur gibt!“ Unter diesem Credo hat der junge Oberbayer seinen Weg gefunden, der Gastronomie und Hotellerie ein Stück Natur ins Haus zu bringen. Mit seiner Firma „Leuchtnatur“ produziert er Lampen aus Holzfurnier. Sehr vereinfacht gesagt, wird dabei ein Baum mit einer Art Rasierklinge abgeschält, die dünnen Holzscheiben auf Plexiglas (ein Kompromiss) geklebt und um LED-Leuchten gewickelt. So entstehen wahre Kunstwerke aus Holz und Licht!

 

„Das Licht strahlt durch das Holz und bekommt dadurch eine ganz besondere Wärme. Die Farbtemperatur ist für das Auge sehr angenehm und es entsteht unmittelbar eine sehr heimelige, gemütliche Atmosphäre“, erklärt Stölzle. Jede seiner Leuchten ist ein Unikat – denn schließlich ist jeder Baum einzigartig. Je nach Holz – Stölzle verwendet vor allem heimische Hölzer wie Kirsche, Zirbe oder Nussbaum für seine Furniere – wirft die Lampe die unterschiedlichen Maserungen des Holzes an die Wand. „Es ist schön zu wissen: Das war einmal ein Baum!“ Vom Material Holz schwärmt er – keine Veredelung sei nötig, die Farben und Formen seien bereits in perfekter Ausführung gegeben. „Natürlich gewachsen, einzigartig und wunderschön – dieses Design bringt die Natur hervor, ich bringe es nur zur Wirkung und bin dankbar für die unglaubliche Vielfalt, die uns da geschenkt wird!“

 

Wärme aus der Natur

Erst kürzlich hat Stölzle zum Beispiel ein Bio-Hotel in Nürnberg mit seinen Furnier-Lampen ausgestattet. Doch nicht nur im rustikalen Bio-Ambiente kommen die Designerlampen aus Holz zur Geltung: „Ideal ist die Mischung aus modern und bodenständig. Designige Wohnlandschaften, Hotellobbys oder Gasträume wirken nämlich durch Baustoffe wie Stein oder Glas oft kühl; das Holz bringt Wärme!“, so Stölzle.

 

Ein anderes schönes Beispiel für die Kombination aus modern und natürlich ist da zum Beispiel das erst kürzlich eröffnete Lokal der Riedmüller-Gruppe am Schönfelder Badeteich in Niederösterreich. Um dem Vintage-Industrial-Look des Betriebes seine Härte zu nehmen, setzte die Wögerer GmbH gezielt natürliche Materialien ein. Grobe Stoffe, Zierfachwerk und – wieder – ausgefallene Leuchten sorgen für ein gemütliches Ambiente. Besonderes Highlight sind jedoch die Steine aus eigenem Schotterabbau, die – an Schnüren baumelnd – den Sitzbereich optisch abtrennen. Die Holzelemente an den Wänden sowie die massiven Holz-Pfeiler im Zentrum des Raumes bringen wiederum die nötige Wärme, von der Stölzle gesprochen hat.

 

Auch der Schweizer Möbel-Designer Rolf Senti weiß, wie wichtig diese Wärme ist – besonders im Badezimmer. Wie Stölzle benutzt er Furnier als Werkmaterial und entwirft und baut nun mit seinem Unternehmen Bagno Sasso elegante Badewannen aus Holz. „Gerade Damen haben oft kalte Hände und Füße – die fühlen sich in unseren Badewannen besonders wohl“, lacht der Designer. Er versteht seine Wannen als Kunstobjekte: „Der Werkstoff ist für mich ein Schmuckstück – wie der Stoff, den ein Mode-Designer benutzt, ist Holz die Basis für meine Kunstwerke.“ Weiße, schwarze, braune Hölzer – jedes seiner maßgefertigten Produkte bringt Luxus in die Nassräume.

 

Die Idee, Natur in den Innenraum zu holen hatte auch der Wiener Spitzengastronom Jojii Hattori: Er peppte die Toilettenanlage in seinem Innenstadtlokal Shiki mit einem kleinen Zen-Garten auf – Kieselsteine und Bonsai-Baum inklusive.

 

Domestizierte Natur

Ob also im Spa, an der Bar oder dem Gästezimmer – auch im Haus ist die Natur einfach wunderschön. Abseits von Beton, Asphalt und Lärm gibt sie dem Gast Kraft und lässt das Gefühl von Ursprünglichkeit und Selbstharmonie spürbar werden. Besonders praktisch dabei: Der domestizierten Natur ist es egal, ob es regnet, stürmt oder schneit – sie wirkt immer! Ob also über Materialien wie Holz oder Stein, durch Pflanzen und Bäume oder gar das Sinnbild der Schneeflocke – so facettenreich wie die Natur selbst, sind die Möglichkeiten, sie in Ihrem Haus unterzubringen. Ihre Gäste werden sich freuen!

 

 

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Titelbild: Wögerer

Fotocredit: BagnoSasso/Voglauer/Leuchtnatur

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