Gemeinde

EXKLUSIVER HEFTINHALT

Die digitale Gemeinde wird Realität

8. Januar 2018, 9:46

Der Transfer von der analogen zur digitalen Verwaltung ist für viele Gemeinden bereits Realität geworden. Der Großteil aller Daten wird heute bereits digital aufgenommen und verwertet, wie Strom- und Wassernetze, Kabelinfrastruktur oder Straßenbeleuchtung und vieles mehr. Dass Digitalisierung aber viel tiefer wirkt, als nur analoge Archive einzusparen oder schneller auf Bürgerdaten zugreifen zu können, zeigen nun erste Pionierprojekte, die zeigen, wohin der digitale Weg für Kommunen führen kann. So zum Beispiel in der Gemeinde Bischofshofen im Salzburger Pongau. Hier stellt derzeit Claus Salzmann, Geschäftsführer von ETS – Elektrotechnik, gemeinsam mit dem zuständigen Bauamtsleiter Heinz Neumayer ein kommunales Digitalisierungsprojekt namens „Musterstraße“ auf die Beine, das seinesgleichen sucht. Gemeinsam digitalisieren sie dabei einen kompletten Straßenzug: das heißt die gesamte Infrastruktur, alle Lichtpunkte, jeden Baum, Zebrastreifen, Verkehrszeichen und natürlich alle öffentliche Einrichtungen; kurz: alles, was in einer Gemeinde mit einem Bescheid behaftet ist. Heinz Neumayer hat dem UmweltJournal-Online einige Fragen dazu beantwortet:
 

UJ: Warum haben Sie das Projekt „Musterstraße“ ins Leben gerufen?

Neumayer: Seit vielen Jahren nehme ich an den regelmäßigen Treffen des Fachausschusses Kommunales FM im Österreichischen Städtebund teil und habe so Austausch mit Kollegen von anderen Städten über Facility Management. Gleichzeitig sehe ich aber auch, wie vor Allem in den letzten Jahren die Digitalisierung – Stichwort 4.0 – in der Privatwirtschaft und in der Industrie voranschreitet. Im Bereich der Kommunen gibt es schon länger diverse Programme zur Administration des Bestandes, diese konnten zumeist aber nur einen Teilbereich des gesamten kommunalen Aufgabengebietes abbilden. In Anlehnung an FM-Programme der Industrie sowie der damit verbundenen Steuer- und Regelungstechnik kam ich auf den Gedanken, den Ansatz des kommunalen FM dahingehend neu zu definieren, indem ich eine Gemeinde als Gesamtes als Industriebetrieb sehe und die gesamten Anlagenteile im Sinne einer echten Digitalisierung darstelle. Ich habe nicht nur ein PDF, sondern ein Grundstück, ein Baum, ein Beleuchtungskörper, usw. ist mein digitalisiertes Element, mit welchem ich weitere Daten verknüpfen kann. Im Endeffekt geht es um nichts anderes als der Erschaffung der „Gemeinde 4.0“. Dieser wichtige Schritt der echten Digitalisierung einer Gemeinde ist uns jetzt geglückt und wir beginnen nun bei einer Musterstraße mit der Hinterlegung folgender exemplarisch angeführter Daten:

  • Bauakte der jeweiligen Grundstücke
  • Erfassung der
    • Beleuchtungspunkte,
    • Verkehrszeichen,
    • Straßenmarkierung,
    • Bäume

Kurz gesagt, ich erstelle ein digitales Abbild der Gemeinde
 

Was sehen Sie dadurch als die größten Vorteile für Ihre Gemeindearbeit an?

Im digitalen Abbild der Gemeinde kann ich dann objektbezogen die entsprechenden relevanten Daten hinterlegen bzw. verknüpfen. Am Beispiel eines Verkehrszeichens erläutert:

  • Beratung des Verkehrsausschusses
  • Amtsbericht
  • Beschluss der Gemeindevertretung
  • Kundgemachte Verordnung
  • Vermerk der Aufstellung
  • Regelmäßige Prüfung der Standsicherheit bzw. der Befestigung des Verkehrszeichens

So wie ich es beim Verkehrszeichen geschildert habe, ist dies auch mit jedem anderen Objekt möglich. Bei jedem Objekt kann der gesamte Zyklus nachverfolgt werden und es besteht durch die Abbildung der regelmäßigen Begehung oder Wartung auch Rechtssicherheit für die Gemeinde. Insbesondere bringt dies auch eine spürbare Erleichterung im Alltag, da man nicht mehr die Dokumente in einem Ordner suchen muss oder man sich erinnern muss, in welcher Sitzung dies denn beschlossen wurde. Durch eine standortbasierte Ablage auf einer digitalen Oberfläche der Gemeinde kann ich die Dokumente finden. Auch wenn die Personalfluktuation in Gemeinden nicht so von Bedeutung ist, verliere ich mit der Pensionierung von Mitarbeitern auch immer viel Wissen. Durch konsequente Ablage des Schriftverkehrs und der Akten am Objekt geht kein Wissen mehr verloren. Ein zusätzlicher Vorteil ist auch die Sicherung der Daten, Einscannen der Altakten vorausgesetzt. Ich mache mich von der Papierform der Akten und der Ordner unabhängig und erziele durch Auslagerung weiteren Platzgewinn in den Ämtern.

 

Wie stehen Sie und die Gemeinde Bischofshofen dem Thema „Digitalisierung“ generell gegenüber?

Die Stadtgemeinde Bischofshofen steht der Digitalisierung sehr positiv gegenüber, sonst hätte ich auch nie den Rückhalt bekommen, der notwendig ist, dies zu realisieren. Die größte Herausforderung war aber sicher die Vermittlung der Tiefe, welche ich mit der Digitalisierung erreichen möchte. Die meisten Personen verstehen unter „Digitalisierung“ einfach das Einscannen und Ablegen in Ordnern. Hier sind wir in der Stadtgemeinde Bischofshofen sicher den radikalsten Weg in dem Sinne gegangen, als dass wir wirklich digitalisieren. Wir machen aus einem realen Objekt ein digitales Objekt, bei welchem wir dann auch Daten im Sinne einer Digitalisierung als PDF hinterlegen. Da ich aber ein digitales Objekt mit hinterlegten Daten schaffe, habe ich alle Vorteile, welche mir eine echte objektbasierende Digitalisierung bietet und dies verbunden mit den Vorteilen einer Abbildung in einer Art virtuellen Stadtplan.

 

Was würden Sie anderen Gemeinden raten?

Anderen Gemeinden kann ich nur raten, sich schon jetzt zu informieren. In der Industrie und der Privatwirtschaft ist die Digitalisierung schon angekommen. Der erste und wichtigste Schritt ist jedoch ein gedanklicher – im Sinne eines kommunalen Infrastrukturmanagements ist die „Gemeinde 4.0“ als Industrieanlage zu verstehen. Die Gebäude und Grundstücke sind die einzelnen Anlagenteile, die Straßen, Kanäle und Wasserleitungen sind die Leitungsstränge.

 

Heinz Neumayer

Heinz Neumayer

 

 

Quelle: UmweltJournal 01/2018

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