Interview des Monats

Den Erfolg weiterführen

15. Juli 2016, 14:52

Eigentlich wollte Johannes Glatz nicht mehr zurück in eine Linienorganisation. Doch die Aufgabe, die Schlosserei – Förderanlagen Werfring GmbH zu leiten und gemeinsam mit Martin Werfring, dem Sohn des verstorbenen Unternehmensgründers Josef Werfring, weiterhin zum Erfolg zu führen, reizte ihn dann doch zu sehr, um das Angebot auszuschlagen. Gemeinsam führen sie nun den Erfolg von Josef Werfring fort und das Unternehmen auf neuen Wegen in die Zukunft.

 

Autorin: Ulrike Putz
Artikel aus Ausgabe 6/2016 – hier geht es direkt zur Heftbestellung!

 

Herr Glatz, wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Mir ist die Wertschätzung gegenüber dem Menschen sehr wichtig. Egal, was wir bauen, welche Maschinen und Anlagen, wir haben immer mit Menschen zu tun – mit Mitarbeitern und Lieferanten und gemeinsam arbeiten wir für den Nutzen unserer Kunden. Ich finde, man muss mit Menschen offen und ehrlich umgehen und auch mal Kritik üben, wenn etwas nicht passt. Ich bin ein sehr geradliniger Mensch. Meine Mitarbeiter können sich darauf verlassen, dass ich nicht heute das eine sage und morgen das andere. Mir ist es auch wichtig, offen zu sein für Neues. In der heutigen Zeit, wo sich das Leben, die Wirtschaft, die Politik, die Gesellschaft verändern, muss man schauen, wo es hingeht und das aufnehmen, was gut passt – und natürlich das beiseite schieben, was nicht oder nicht mehr passt.

 

Wie sind Sie zu Werfring gekommen?

Ich komme aus der Holzbranche, habe den Beruf des Tischlers erlernt und die Meisterprüfung gemacht. Mit zwanzig bin ich in ein Unternehmen gekommen, das Möbel für Hotels, Schiffe und Flugzeuge herstellt und das rasant gewachsen ist. Zu Beginn waren wir zwanzig Mitarbeiter, als ich das Unternehmen vor zehn Jahren verlassen habe, waren wir 700 Leute und ich war Leiter zweier Produktionsbetriebe und hatte 300 Mitarbeiter unter mir. Wenn man Tischler gelernt hat und dann Manager wird, merkt man nach und nach, dass das Wissen nicht ausreicht. So habe ich berufsbegleitend Betriebswirtschaft studiert und mich auf Organisation, Prozessoptimierung und Personalwesen spezialisiert. Vor zehn Jahren habe ich mich dann mit einer Unternehmensberatungsfirma selbstständig gemacht und war auch sehr erfolgreich. Durch einen Zufall bin ich im Februar 2013, kurz nach dem Ableben von Josef Werfring, ins Unternehmen gekommen und habe mich als Berater vorgestellt. Für die Familie Werfring und für mich hat es gleich gepasst.

Im Sommer wurde ich dann gefragt, ob ich die Geschäftsführung übernehme. Das war am Anfang eine Hürde, ich hatte nicht vorgehabt, wieder in eine Linienorganisation einzusteigen. Doch die Aufgabe ist irrsinnig spannend, im Unternehmen stecken so viel Potenzial und Möglichkeiten und eine große Bereitschaft, aber auch Notwendigkeit zur Veränderung. Martin Werfring hat mir damals gesagt, es würde ihm leid tun, wenn er das Unternehmen verkaufen müsste, sein Vater hatte es gegründet und aufgebaut und er wollte es weiterführen. Das war für mich der Punkt, wo ich gesagt habe, ja, das mache ich, wir werden weiterhin erfolgreich sein und das Unternehmen weiterführen.

 

Sie kommen aus einem ganz anderen Bereich. War die Thematik für Sie von Anfang an spannend?

Ich traue mich zu sagen, ich bin Fachmann im Bereich Holzverarbeitung, dann komme ich in ein Unternehmen, wo meine Fähigkeiten als Manager gefragt sind. Das hat sehr gut gepasst. Ich habe gemerkt, dass Projekte Projekte sind, egal worum es geht, die Vorgehensweise ist gleich. Aber die Technik ist eine andere Geschichte. Wenn Sie es gewohnt sind, überall mitreden zu können und dann in eine Branche kommen, wo Ihnen das Spezialwissen komplett fehlt, dann sind Sie auf das Wissen Ihrer Mitarbeiter angewiesen. Das ist ein Nachteil, aber auch ein Vorteil – dadurch, dass ich nicht von oben diktiere, kann ich ganz andere Gespräche mit den Mitarbeitern führen und wir haben von einer unternehmergeführten zu einer teamorientierten Organisation umgestellt. Einzelne Personen und ganze Abteilungen haben mehr Kompetenzen und Verantwortungen übernommen. Heute kann ich sagen, es war ein sehr guter Weg, für das Unternehmen, für seine Entwicklung und für die Mitarbeiter.

Welche Veränderungen hat es seither im Unternehmen noch gegeben?

Wir haben unsere Prozesse durchleuchtet, geschaut, was ist wichtig, was weniger – sowohl intern als auch in Bezug auf unsere Produkte. Wenn ein Unternehmen alles kann, dann wird auch alles gemacht, wir hatten eine enorme Produktvielfalt, haben sie heute noch, doch wir haben uns spezialisiert, um unseren Kunden eine gute Leistung zu einem guten Preis bieten zu können, der auch für das Unternehmen rentabel ist. Wir haben uns auf drei Geschäftsbereiche fokussiert:
Erstens, der Anlagenbau. Wir beraten unsere Kunden, planen, bauen Förderanlagen, programmieren sie, testen sie, bauen sie beim Kunden auf. Das ist unser Projektgeschäft, neue und auch gebrauchte Anlagen, die wir adaptieren.
Zweitens, und das ist uns sehr wichtig, der Service. Ohne Service wird irgendwann auch die beste Maschine nicht mehr funktionieren. Service, Wartung und vorbeugende Instandhaltung sind ein wesentliches Standbein unseres Unternehmens.
Und drittens, jede Wartung benötigt Ersatzteile und das oft kurzfristig. Darum ist unser drittes Standbein, dass wir Ersatzteile als Handelswaren verkaufen. Wir haben hier ein großes Lager und auch Bestandteile für ältere Anlagen, die aber immer noch laufen. Ein großer Bereich, den Herr Werfring in den letzten Jahren noch auf Schiene gebracht hat, ist der Lagerhallenbau. Das ist nach wie vor ein Thema für uns, wir bieten es an, aber nicht in riesiger Stückzahl, da wir sehr gut ausgelastet sind in unserem Hauptgeschäft.

 

Sie haben die Geschäftsführung gemeinsam mit Martin Werfring inne – wie sieht Ihre Aufgabenteilung aus?

Martin Werfring ist Techniker, Maschinenbauingenieur, ich bin Betriebswirt. Er ist einige Jahre jünger als ich, bringt aber den Background aus dem Unternehmen mit, ich habe andere Erfahrungen. Wir ergänzen uns gut, aber es war zwangsläufig notwendig, dass wir uns die Schwerpunkte aufteilen. Ich habe die betriebswirtschaftlichen Aufgaben übernommen, die Organisation, das Personalwesen, Martin Werfring die gesamte Technik, die Kundenbetreuung und den Verkauf. Wir profitieren beide von der Zusammenarbeit. Was mich immer wieder verwundert, wie strukturiert Martin Werfring in seinem doch noch jungen Alter auftritt, wie authentisch er ist. Er hat sicher sehr viel gelernt von seinem Vater, da wurde viel mitgegeben.

Herrn Josef Werfring war die Jugendförderung ein großes Anliegen. Ist das im Unternehmen auch heute noch so?

Die Arbeit mit jungen Menschen ist immer wichtig. Der Nachwuchs ist die Zukunft – für unser Unternehmen, aber auch für unsere Kunden. Ich kann nicht klagen, dass wir keine oder keine guten Lehrlinge bekommen. Wir haben ein junges Team. Für uns als Betrieb hat die Ausbildung von Nachwuchskräften eine grundlegende Wichtigkeit.

Was motiviert Sie bei Ihrer täglichen Arbeit?

Ich bin ein sehr positiver Mensch. Ich brenne für die Aufgabe an sich, da brauche ich keine weitere Motivation. Es zieht mich zu meinen Aufgaben hin, ich mache das, was mir liegt, was ich gerne mache und freue mich über die Erfolge.

Josef Werfring sprach in unserem Interview 2011 vom Vertrauen seiner Kunden in den Standort. Ist das heute noch zu spüren?

Das kann ich hundertprozentig unterschreiben. Vertrauen in den Standort und Vertrauen in unser Unternehmen – das haben wir im ersten Jahr gesehen. Als wir begonnen haben, wussten wir nicht, wie sich unsere Kunden verhalten werden, ob sie uns zutrauen, weiterhin gute Leistungen zu erbringen. Und unsere Kunden haben uns einen großen Vertrauensvorschuss geschenkt, wofür wir sehr dankbar sind. Unser Motto war und ist: Wenn uns unsere Kunden Vertrauen schenken, dann haben sie hundertprozentige Leistung zu erwarten. Qualität ist uns damals wie heute ein großes Anliegen.

 

Wie sehen Ihre Zukunftspläne für Werfring aus?

Jedes Unternehmen braucht neue Themen, Visionen, wohin man sich weiterentwickelt. Unser Ziel ist es, den süddeutschen Raum verstärkt zu beliefern, da wir gesehen haben, dass unser Angebot hier gut passt. Das ist gerade im Aufbau. Es ist einfach, dorthin zu verkaufen, , aber wir müssen uns auch Gedanken über die laufende Wartung und Ersatzteile machen.
Ein großes Thema ist für uns auch die Übernahme durch den Jungunternehmer Martin Werfring. Intern ist es bereits so, wir sind beide Geschäftsführer, aber klassisch Chef ist Herr Werfring. Das ist der richtige Weg, die junge Generation übernimmt mit neuen Ideen.

 

Die Urlaubszeit steht vor der Tür – wie sehen Ihre Pläne aus?

Ich habe gerne ein bisschen Ruhe, zuhause mit der Familie zusammen. Ich habe zwei Enkelsöhne, mit denen ich etwas unternehmen werde. Bei meiner Familie tanke ich wieder Energie und Kreativität.

 

Foto: Werfring

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