Sinnhuber

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Coole Rechner kühlen energieeffizient

21. August 2017, 13:31

Ein kühles Blondes, ein Cola – aber bitte eiskalt. Einfache Wünsche, guter Umsatz – und auf einmal streikt die Kühlanlage. Nicht nur im Hochsommer eine Katastrophe. Kühltechnikexperte Gregor Sinnhuber weiß, warum Kühlanlagen oft ‚ganz plötzlich‘ ausfallen: gebrochenes Herz. Deutlicher: Vernachlässigung durch den Betreiber.

 

Extra Streicheleinheiten für Kühlhaus und Eisvitrine? Geht’s noch? „Regelmäßige Wartung tut’s auch“, erklärt Gregor Sinnhuber schmunzelnd, bevor ihm erboste Kunden ob seines Versuchs, das Problem mit einem Bild deutlich zu machen, an die Gurgel springen. Dabei sei die Situation tatsächlich dramatisch: „Kaum ein Wirt schließt einen Wartungsvertrag für seine Kühlanlage ab. Die meisten Anlagen werden einmal genehmigt und das war’s. „Solange das Ding funktioniert, kümmert sich niemand drum“, weiß der Experte. Am häufigsten höre er: „Was bitte soll da kaputtgehen?“

 

Kleiner Aufwand, große Wirkung

Tatsächlich ist eine Kühlanlage, im Vergleich zu einer Spülmaschine oder einer Schankanlage ein relativ einfaches Gerät: keine beweglichen Kleinteile, keine komplizierte Mechanik. Kühlschlangen, Kühlmittel, ein Motor – fertig. Allerdings, so Sinnhuber, seien Kälteanlagen 365 Tage im Jahr in Betrieb und ein Ausfall hätte fatale Folgen: Schließlich ist eine ununterbrochene Kühlkette zum Beispiel eines der Hauptkriterien für HACCP.

 

Trotzdem ist das nur einer von mehreren Gründen, warum Wirt auf seine Kälteanlage schauen sollte: Wollen nicht auch Sie unsere Umwelt schonen, Betriebskosten senken und generell Energie einsparen? Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie sich die Kosten einer Kälteanlage darstellen – über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet? Da machen die Investitionskosten gerade einmal vierzig Prozent aus – der Rest sind Betriebskosten.

 

Nahezu jede bestehende Anlage hätte ein Einsparungspotenzial von bis zu vierzig Prozent, so Gregor Sinnhuber. Der Grund: Die meisten Kühlanlagen würden unmittelbar in Betrieb genommen, aber nicht „einreguliert“, also an die Bedingungen vor Ort angepasst. „Da kann es dann passieren, dass die Anlage großer Hitze ausgesetzt ist, weil sie zum Beispiel auf einem Dachboden steht, der nicht ausreichend isoliert wurde – oder direkt neben einer anderen Wärmequelle und niemandem fällt das auf.“ Für Sinnhuber bleibt es unverständlich, dass viele Gastronomen mit den Zusatzkosten für die Einregulierung argumentieren. „Ich kann aus meiner Erfahrung nur sagen, dieser Aufwand ist verschwindend im Vergleich zu den empfindlich höheren Betriebskosten und der wesentlich verkürzten Lebensdauer, die Sie sich ohne die Einregulierung möglicherweise einhandeln!“

 

Integrale Planung

Natürlich könne man sich auch diese Kosten sparen, da müsse man aber bereits bei der Planung ansetzen: „Die meisten Kälteanlagen laufen mit, werden „nebenbei“ mitgeplant – ich würde mir eine integrale Planung wünschen, dann gäbe es viele Probleme nachher nicht“, so Sinnhuber.

 

Ein guter Planer würde sich zuerst einmal überlegen, welche Unterschiede es bei Kühlzellen gibt und wie sich die auf den Energieverbrauch auswirken. Eine weitere Überlegung sollte das Kältemittel betreffen. „Hier hat sich viel geändert, viele Kältemittel aus bestehenden Kälteanlagen dürfen gar nicht mehr verwendet werden!“ Das in Verkehr bringen von Kältemitteln, die eine hohe Umweltbelastung haben, ist seit 2015 genau geregelt. Diese Mittel werden nach und nach reduziert und durch umweltfreundlichere beziehungsweise auch natürliche ersetzt – mit dem Effekt, dass die Preise für die zulässigen Kältemittel natürlich drastisch gestiegen sind …

 

„Natürlich ist das ärgerlich, aber wenn wir Umweltschutz ernst nehmen, sollte es uns ein Anliegen sein ‚sauber‘ zu arbeiten. In anderen europäischen Ländern werden Steuern auf umweltbelastende Kältemittel eingehoben.“

 

Noch etwas, das man bereits in der Planungsphase berücksichtigen könnte und sollte: Wie kann die durch die Kälteanlage erzeugte Wärme genutzt werden und ist in der Folge eine Wärmerückgewinnung oder eine Abwärmenutzung sinnvoller? Denn auch hier kann der clevere Wirt cool sparen.

 

Förderung beantragen!

Denn immerhin könnten mit der Abwärme, die die Kälteanlage eines durchschnittlichen Gastronomiebetriebes in zehn Stunden produziert, etwa siebenhundertvierzig Liter Wasser von 15 Grad Celsius auf 50 Grad Celsius erwärmt werden! Das würde nichts extra kosten, im Gegenteil: Die Nutzung der Abwärme wird durch einen Zuschuss gefördert, somit wird nicht nur bei den Betriebskosten eingespart, auch die Investition amortisiert sich schneller!

 

Ebenfalls stark gefördert wird derzeit das Umsteigen auf energieeffiziente Kälteanlagen, wobei der momentane Standard vermuten lässt, wie groß das Einsparungspotenzial sein muss: Rund zwanzig Prozent der Kälte, die sie produziert, gibt eine durchschnittliche Kühlzelle ungenutzt an ihre Umgebung ab. Und das bei einer Kühlraumtemperatur von Minus 20 Grad Celsius und einer Umgebungstemperatur von 25 Grad Celsius. Man spricht dabei von einem U-Wert zwischen 0,3 und 0,2 W/m²K – das ist der Wärmestromdurchgang durch eine ein- oder mehrlagige Materialschicht, wenn auf beiden Seiten der Schicht verschiedene Temperaturen vorliegen. Leider wird dieser U-Wert im Normalfall nur bei Wandpaneelen angegeben, nicht aber für den Bodenbereich oder die Decke. Da gibt es große Unterschiede, genau wie bei der Verbindung der Paneele, wo es ebenfalls wieder einen Unterschied macht, ob sie nur aneinandergestellt und vernietet, oder kraftschlüssig verbunden werden.

 

Beraten lassen

Noch einen praktischen Tipp hat Gregor Sinnhuber: „Wenn Sie nicht sicher sind, welche Art von Kühlanlage für Ihren Betrieb passt, die internationale Initiative ProCold hat sich zur Aufgabe gemacht, Anwender bei der Auswahl steckerfertiger gewerblicher Kühl- und Tiefkühlgeräte zu unterstützen.“ Es gäbe da bereits eine Reihe hocheffizienter Produkte – vom Lagerkühlschrank bis zum Getränkekühler – die in verschiedensten Bereichen im Dienstleistungssektor eingesetzt würden. Was viele Anwender unterschätzten, so Sinnhuber: „Die derzeit verfügbaren Geräte unterscheiden sich hinsichtlich des Energieverbrauchs wesentlich!“ Allerdings sei die seit Mitte letzten Jahres geltende EU-Verordnung für das Energielabel bei Gewerbegeräten noch nicht vollständig umgesetzt, wodurch es für den Laien sehr schwierig sei, zu entscheiden, ob es sich um ein energieeffizientes Gerät handle oder (noch) nicht …

 

ProCold gibt auf der Website b2b.topprodukte.at eine einfache Übersicht über energieeffiziente Produkte. Großes Plus: Es sind nur Geräte gelistet, für die es seit 2017 auch eine Förderung von der Kommunal Kredit gibt. Für einen energieeffizienten Gewerbetiefkühlschrank beträgt der Zuschuss derzeit knapp vierhundertfünfzig Euro. Generell werden bis zu dreißig Prozent der Anschaffungskosten gefördert.

 

Preisentscheidung geht in die falsche Richtung

Genaugenommen spricht alles dafür, seiner Kühlanlage ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken und sich vielleicht sogar von der alten Anlage zu trennen: Leistbare Technologien, attraktive Förderungen, energieeffizienter Betrieb, niedrige Betriebskosten. Leider gibt es da noch einen Haken: die scheinbar unüberbrückbare Kluft zwischen den Interessen des Investors – also dem Eigentümer – und denen des Betreibers – dem Gastronomen. Hier der Investor, der möglichst niedrige Investitionskosten anstrebt – die Betriebskosten sind ihm egal, für die ist ja meistens der Betreiber verantwortlich. Dort der Betreiber, der es genau umgekehrt sieht. In der Praxis versuchen die ausführenden Unternehmen natürlich den Investor zu gewinnen und legen ein möglichst niedriges Angebot. Das heißt in der Regel, dass eine Standardlösung empfohlen wird, die weder auf den Kunden abgestimmt, noch effizient ist. Leider gibt es derzeit noch keine einheitliche Auszeichnungsform, in der auch die Effizienz bewertet wird, daher fällt letztendlich die Entscheidung nur über den Preis.

 

Fazit: Es geht, wenn alle wollen

Als unabhängiger Fachplaner für den Bereich Gewerbekälte und Klimatisierung hält es Gregor Sinnhuber für absolut notwendig, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und alle Zusammenhänge zu erklären. „Die Kälteanlage war immer ein Stiefkind und wird es bleiben, wenn die Informationen fehlen.“ Sinnhuber setzt auf eine Bestandsaufnahme vor Ort, eine ausführliche Energieberatung und bringt jedenfalls zur Sprache, wie eine bestehende Anlage optimiert werden könnte. „Langsam merke ich, dass Kunden mit Wünschen kommen, die nicht nur den Preis betreffen.“ Zwar werde noch nicht nach EC-Ventilatoren, elektronischen Expansionsventilen oder nach Verdichtern mit Frequenzumformer gefragt, lacht der Experte, aber Fernwartung oder automatische Temperaturaufzeichnung könnte es mittlerweile schon sein. „Diese Instrumente waren früher der Industriekälte vorbehalten; jetzt sind sie leistbar, sparen Betriebskosten und wirken sich unheimlich auf die Qualität und Haltbarkeit einer Anlage aus.“ Gerade in Betrieben, wo hochwertige Lebensmittel gelagert und schonend verarbeitet werden sollten, leistet eine qualitativ hochwertige Kühlanlage einen enormen Beitrag zur Qualität der gelagerten Produkte, betont Sinnhuber noch einmal.

 

„Und das sollte auch den Investoren wichtig sein, sonst finden die bald keine Betreiber mehr …“
Für coole Rechner:

 

Wie sehr sich der Austausch einer Kälteanlage lohnt, zeigt folgendes Beispiel:

 
Altes Gerät Neues Gerät
Ausgangslage Bestandskälteanlage Baujahr 2009 mit 4 Kühlräumen , 1 Tiefkühlraum, 5 Kleinkühlstellen wie Küchenkühlpulte, Getränkekühlpulte usw. Kältemittel R 404a Neue Kälteanlage Baujahr 2017 mit 4 Kühlzellen, 1 Tiefkühlzelle, 5 Kleinkühlstellen wie Küchenkühlpulte, Getränkekühlpulte usw., energieeffiziente Regelung, low GWP Kältemittel
Benötigter Jahresenergiebedarf ca. 16.200 kWh; in Euro ca. 2.120,- ca. 9.200 kWh; in Euro ca. 1.300,-
Abwärmenutzung für Warmwasser Nicht möglich Die Kälteanlage erzeugt durchschnittlich eine Abwärme von 110 kWh je Tag, bei einem angenommenen Strompreis von 13 Cent. Damit können im Jahr über € 4.000,- Heizkosten für Warmwasser eingespart werden.
Förderung Nicht möglich Für eine energieeffiziente Neuanlage gibt es derzeit eine Förderung von 20% der Kommunal Kredit, das bedeutet bei einer Investition von € 65.000,- werden € 13.000,- einmaliger Zuschuss gewährt und zusätzlich € 1.600,- Zuschuss für die Wärmerückgewinnung.

 

Fazit:

Der Vorteil der Anschaffung einer Neuanlage liegt auf der Hand: Gefördert werden derzeit von der Kommunal Kredit zum Beispiel 20 Prozent der Investitionskosten für Umrüstung von Bestandsanlagen und zusätzlich die Abwärmenutzung/Wärmerückgewinnung. In Summe bleibt damit ein Investment von 50.400 Euro und eine Einsparung von 820 Euro Betriebskosten im Jahr, weiters ergibt sich eine zusätzliche Einsparung von über 4.000 Euro im Jahr für Warmwassererzeugung!

 

Details zu den Förderungen finden Sie unter:

www. b2b.topprodukte.at
www.umweltfoerderung.at

 

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